Die Facetten unserer Persönlichkeit - Teil 4 “Neurotizismus”


Neurotizismus ist eines der fünf Persönlichkeitsmerkmale im Big-Five-Modell. Verträglichkeit, Extraversion und Gewissenhaftigkeit haben wir bereits in vorhergehenden Artikeln unserer Serie "Die BIG FIVE - Das Gerüst unserer Persönlichkeit" vorgestellt.


Neurotizismus ist ein eher "schwieriger" Wert, weil man dieser Facette erst bei genauerer Betrachtung etwas Positives abgewinnen kann. So lässt uns der Begriff “neurotisch” zunächst an unsicheres Verhalten und merkwürdige Persönlichkeiten denken. Der Begriff und das Konzept gehen auf den Psychologen Hans Jürgen Eysenck zurück, der mit dem Begriff auch eher negative Eigenschaften beschrieben hat. Im Big-Five-Modell gibt diese Kategorie Auskunft über das Nervenkostüm einer Person.


Der Gegenpart zu Neurotizismus ist die emotionale Stabilität, welche auf die Fähigkeit einer Person hinweist, stabil und ausgeglichen zu sein. Neurotizismus hingegen beschreibt die Tendenz, negative Gefühle zu empfinden.



Niedrige Werte bei Neurotizismus deuten auf eine ausgeglichene Person hin

Personen mit einem hohen Wert bei emotionaler Stabilität reagieren weniger emotional und sind nicht so leicht aus der Fassung zu bringen. Sie neigen dazu, emotional stabil und gelassen zu sein und empfinden selten negative Gefühle. Auch in stressigen Situationen bewahren sie einen kühlen Kopf.


Ein hoher Neurotizismus-Wert geht mit einigen negativen Symptomen, wie Unsicherheit, Angst, Hemmungen, Nervosität und Verletzlichkeit, aber auch hohem Schmerzempfinden einher. Neurotische Personen sind anfälliger für Unzufriedenheit und haben Probleme im Umgang mit Stress.

Jedoch möchten wir an der Stelle deutlich darauf hinweisen, dass die in Persönlichkeitstests verwendete Vergleichsstichprobe nicht-klinisch ist, weshalb hohe Werte nicht mit einer pathologischen Ausprägung gleichgesetzt werden sollten.

Personen mit höheren Werten sind jedoch oft empfindsamer. Sie besitzen einen besseren Zugang zur eigenen Gefühlswelt. Daher ist es für diese Menschen einfacher, sich in andere Personen hineinzuversetzen.


Neurotizismus im Job

Hoher Neurotizismus wird im Berufsalltag häufig mit geringerer Belastbarkeit und mehr Fehltagen in Zusammenhang gebracht.

Dabei macht hoher Neurotizismus nicht unbedingt weniger leistungsfähig. Jedoch empfinden diese MitarbeiterInnen negativen Stress viel früher und werden dadurch als empfindlicher wahrgenommen.

In der Regel benötigen neurotischere Personen ein stärkeres Gefühl von Sicherheit und Unterstützung im Arbeitsumfeld. Sie haben oftmals Schwierigkeiten im Umgang mit plötzlichen Veränderungen, Unklarheiten oder Stress und bevorzugen somit eindeutige Arbeitsanforderungen und ein eher stabiles Arbeitsumfeld. Diese Mitarbeitenden werden durch Abgabetermine, persönliche Situationen und Druck leichter von ihrer Arbeit abgelenkt. Negative Erfahrungen können Auswirkungen auf ihre Motivation haben und die Zielerreichung beeinflussen.


Es werden oftmals nur die negativen Seiten von neurotischen Menschen betrachtet. Allerdings gehen damit aber auch einige positive Fähigkeiten und Verhaltensweisen einher. So nehmen neurotische Personen alles um sich herum sehr aufmerksam wahr. Ihre Hilfsbereitschaft macht sie zu guten Teamplayern. Neurotizismus zeigt sich oft durch Ängste und Unsicherheit. Zwar sind diese Symptome negativ behaftet, sorgen aber gleichzeitig dafür, dass neurotische Menschen einen höheren IQ haben.


Eine Jobeignung hängt immer von der konkreten Aufgabe ab

MitarbeiterInnen mit einem hohen Wert bei emotionaler Stabilität werden in den meisten Berufen bevorzugt, weil sie ihre Emotionen bei der Arbeit besser kontrollieren können. Ob eine Person für einen Job tatsächlich geeignet ist, kann jedoch nicht allgemein daraus abgeleitet werden, wie hoch Neurotizismus bei ihr ausgeprägt ist. Es hängt grundsätzlich von der konkreten Aufgabe ab. Neurotizismus kann sogar bestimmte Karrierepfade fördern, wenn er nicht allzu ausgeprägt ist.


Aufgrund der großen Bedeutung dieser Facette für den beruflichen Erfolg einer Person, sind Persönlichkeitstests häufig Bestandteil von Einstellungstests.

Das Big-Five-Persönlichkeitsmodell gibt es bereits seit über 60 Jahren. PersonalerInnen benutzen das Modell häufig, um berufsrelevante Persönlichkeitsaspekte zu erfassen.

Durch die Persönlichkeitstest von FYLTURA werden diese Aspekte unvoreingenommen ermittelt. Damit basieren Entscheidungen in der Personalauswahl auf Fakten statt auf Wahrnehmung Einzelner. Dazu überprüfen wir die persönliche Passung von KandidatInnen und liefern Hinweise auf Chancen und Herausforderungen.