Herausforderung IT-Recruiting - mit Kompetenz und Verständnis zum Erfolg

In unserer Interviewreihe mit Expert:innen aus dem Personalbereich stellen wir regelmäßig interessante Menschen vor. Wir sprechen heute mit Wolfgang Brickwedde, Leiter des Institute for Competitive Recruiting (ICR) in Heidelberg.


FYLTURA: Hallo Herr Brickwedde, bitte stellen Sie sich unseren Leser:innen kurz vor.


Hallo Frau Becker, vielen Dank für die Möglichkeit für dieses Interview.

IT-Recruiting ist mir nicht ganz fremd. Bis Ende 2009 habe ich bei SAP die Personalbeschaffung und das operative Personalmarketing in der Region EMEA verantwortet. Vor meiner Zeit bei SAP habe ich bei Royal Philips Electronics in unterschiedlichen Management Funktionen in den Bereichen Employer Branding, Recruitment und Management Development auch für IT und Engineering Funktionen für verschiedene Länder verantwortlich gezeichnet.


Wie kam es dazu, dass Sie im IT-Recruiting gelandet sind?


Direkt im IT-Recruiting gelandet bin ich ja nicht. Mit dem ICR helfe ich Firmen wettbewerbsfähig zu werden oder zu bleiben, indem ich ihnen bei der Bewältigung der aktuell und strategisch größten Herausforderungen helfe. Und aktuell suchen viele AG eben ITler.


Sie haben vor über 11 Jahren das Konzernumfeld verlassen und den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Wie kam es dazu?


Mein Chef bei SAP war Amerikaner, da habe ich mir das amerikanische Recruiting mal angeschaut, auch UK in meinem Verantwortungsbereich war ein anderer, aber sehr interessanter Markt, das Recruiting in den Niederlanden kannte ich aus meiner Tätigkeit bei Philips. Allen drei gemeinsam war, dass die Recruiting-Funktion m.E. der unsrigen 5-10 Jahre voraus ist.


Ich hatte auch viele Fragen, die mir die Kollegen und Kolleginnen bei anderen Großunternehmen auch nicht beantworten konnten. Daher habe ich es als persönliche Mission gesetzt, den Abstand mithilfe des ICR zu verringern.


Können Sie kurz erläutern, was (Ihre Arbeit bei) ICR ausmacht?


Seit 2010 leite ich das Institute for Competitive Recruiting. Das ICR unterstützt und berät Unternehmen bei der Verbesserung der Ergebnisse ihrer Recruitingprozesse. Das ICR bildet eine Plattform mit dem Ziel, das Recruitment in Deutschland insgesamt zu verbessern, hierzu werden Studien zum Status des Recruitment und Benchmarks zur Nutzung und Zufriedenheit mit Recruitinglösungen wie z.B. Jobbörsen oder Bewerbermanagementsystemen durchgeführt.

Meine Aufgabe und mein Ziel ist es, die Transparenz und Kompetenz im Recruiting zu erhöhen.


Im Vorlauf zu Ihrer Online Konferenz „Recruiting Trends 2021“ haben Sie mit ICR verschiedene Befragungen und Trend-Beurteilungen durchgeführt. Welches sind denn die Top Trends im Recruiting 2021?


Die wichtigsten Trends im Recruiting 2021 sind die Auswirkungen der Corona-Krise aufs Recruiting, die Nutzung von Recruiting-Technologie, Diversity-Recruiting, Recruiting Performance Management und Kandidatenzentrierung.


Worauf sollten Recruiter/HR-Abteilungen Ihrer Meinung nach mehr achten, wenn Stellen zu besetzen sind?


Die Herausforderungen im IT-Recruiting für IT-Recruiter sind insbesondere das tiefe Verständnis für die Position, das Finden von potentiellen Kandidaten:innen, die Beurteilung der Qualität der Kandidaten:innen und die Überzeugung dieser.

An der ersten Herausforderung können die IT-Recruiter selber gemeinsam mit der Fachabteilung arbeiten. Das Finden wird mithilfe der Technik immer einfacher. Auch bei der Beurteilung helfen tiefere Kenntnisse und gute Technik. Argumente für die Überzeugung müssen häufig aus der Fachabteilung kommen, daher ist eine gute Kooperation mit den Kolleg:innen dort erfolgskritisch.


Was sind aus Ihrer Sicht valide Techniken bei der Personalauswahl, um eine Passung von Unternehmen und Kandidat:innen zu erkennen?


Es gilt eine Mischung aus fachlichen und persönlichen Kenntnissen und Fähigkeit zu überprüfen und natürlich darf der Cultural Fit nicht vergessen werden. Die Rangliste der validen Auswahlverfahren ist aus der Wissenschaft lange bekannt: Kognitive Intelligenz, strukturierte Auswahlinterviews, Fachwissen und Arbeitsproben führen die üblichen Listen an. Auch für die Überprüfung des Cultural Fits gibt es neben der “Nase” mittlerweile auch wissenschaftlich basierte Software.


Halten Sie Leistungstest im Bewerbungsprozess für ein wirksames Mittel?


Das kommt immer darauf, was für eine Leistung getestet werden soll. Als Arbeitsprobe wie bei ITlern oder Musiker:innen auf jeden Fall, ein kognitiver Leistungstest ebenfalls. Es ist aber immer abhängig vom Job und den notwendigen Kompetenzen.


Gibt es ein Projekt, das Sie schon immer gern machen wollten, aber noch nicht umgesetzt haben?


Ein eigenes Produkt zu entwickeln, das leicht skalierbar ist.


Welche Tipps würden Sie Gründer:innen mit auf den Weg geben?


Kein Produkt oder keine Lösung zu entwickeln, bei dem man ein Henne- und Ei-Problem von Anfang an hat, also sowohl Nutzer und Kunden gleichzeitig braucht.


Welche Expertin, welchen Experten aus dem HR würden Sie uns als nächsten Interviewpartner ans Herz legen?


Christoph Athanas von MetaHR.



Herr Brickwedde, herzlichen Dank für die spannenden Einblicke und Ihre Bereitschaft zu diesem Interview.


Wolfgang Brickwedde ist seit 2010 Leiter des Institute for Competitive Recruiting (ICR) in Heidelberg. In seiner Zeit bei Philips, als auch bei SAP hat er sich mit den Themen (Social Media) Recruitment, Employer Branding und Talent Management beschäftigt.

Er ist Gründungsmitglied und war von 2007 bis 2009 Sprecher des Vorstandes des dapm /queb und von 2008 bis 2009 Vorstandsmitglied der HR Alliance.




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